Pflanzliche Fasern: Alle Stoffe ohne Tier und ohne Plastik erklärt - Utopia.de

2022-05-11 08:06:58 By : Mr. Ryan Lee

7. Mai 2022 von Annika Reketat Kategorien: Mode

Pflanzliche Fasern in Textilien erfreuen sich immer größerer Beliebtheit – zu Recht! Denn sie vermeiden nicht nur Tierleid, sondern kommen auch ohne Plastik aus. Hier findest du eine Übersicht pflanzlicher Fasern.

Schuhe aus Leder, Pullover aus Wolle, Blusen aus Seide, Jogginghosen aus Kunststoff: Oft tragen wir Textilien tierischen Ursprungs oder mit Plastikanteilen auf unserer Haut. Neben Tierleid können solche Kleidungsstücke aber auch Umweltbelastungen und gesundheitliche Risiken für den Menschen verursachen. Inzwischen gibt es eine wachsende Auswahl an Textilfasern, die ohne Tier und Plastik auskommen.

Baumwolle und Leinen mögen die bekanntesten pflanzlichen Fasern sein, doch auch Tencel, Kenaf, Kapok und etliche weitere sind auf dem Vormarsch. Wir stellen dir die Vor- und Nachteile sowie die Verwendungsmöglichkeiten der einzelnen Sorten vor. 

Kleidungsstücke aus Leder, Wolle und Seide gelten als hochwertige und umweltfreundliche Naturprodukte. Doch tatsächlich gehen viel Tierleid und ökologische Probleme mit der Produktion solcher tierischer Fasern einher: So steht Seide aufgrund der Tötung von Seidenspinnerraupen und Wolle aufgrund von „Mulesing“ in der Kritik. Außerdem ist die Wollproduktion wegen des hohen Wasserverbrauchs und der großflächigen Landnutzung meist ökologisch nicht nachhaltig.

Bei der Ledergerbung und -verarbeitung kommen gefährliche Chemikalien zum Einsatz, die nicht nur umweltschändlich sind, sondern auch giftig für Menschen. Leder erfolgen diese Bearbeitungsschritte oft in Billiglohnländern, deren geringe Umweltschutzstandards dazu führen, dass die giftigen Stoffe Arbeiter:innen krank machen können.

Als vegane Alternativen bieten sich synthetische Fasern wie Polyester, Polyacryl, Nylon oder Elasthan an. Doch in Sachen Nachhaltigkeit stehen auch sie nicht gut da, denn sie basieren auf der endlichen Ressource Erdöl, für deren Förderung Natur zerstört sowie Tiere und Menschen vertrieben werden. Hinzu kommt, dass Kunstfasern beim Waschen brechen und als Mikroplastik freigesetzt werden. Pro Waschgang kommen schätzungsweise etwa 3.000 bis 700.000 Fasern zusammen. Solches Mikroplastik kann in Wasserorganismen unter anderem innere Schäden verursachen. Weitere Auswirkungen von Mikroplastik, auch auf den Menschen, sind immer noch unzureichend erforscht. 

Viele Pflanzen lassen sich zur Fasergewinnung nutzen. Einige der wichtigsten pflanzlichen Fasern mitsamt ihren Vor- und Nachteilen findest du hier aufgelistet. 

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Die Vielfalt an pflanzlichen Fasern wächst immer weiter. Teils handelt es sich dabei um Materialinnovationen, teils um Fasern, die nach langer Zeit wiederentdeckt wurden. 

So kommen inzwischen Textilien auf den Markt, die beispielsweise aus Soja, Braunalgen, Bananenschalen oder Zunderschwamm bestehen. Letzterer ist ein Baumpilz, der seit jeher zum Entfachen von Feuer genutzt wurde. Er lässt sich aber auch zu einem rustikalen veganen Leder verarbeiten. 

Mehr über solche neuartigen pflanzlichen Fasern kannst du hier nachlesen: Algen, Milch und Plastikschrott: die Kleidung der Zukunft.

Pflanzliche Fasern vermeiden Tierleid und Plastik – zwei wesentliche Punkte, die sie oft zu einer ethischeren und ökologischeren Wahl als tierische und synthetische Fasern machen. Doch trotzdem verbrauchen auch pflanzliche Fasern Ressourcen und können sich teils negativ auf die Umwelt und Menschen auswirken. 

Von Faser zu Faser kann sich das Ausmaß der ökologischen, sozialen und gesundheitlichen Auswirkungen unterscheiden. Modal erfordert beispielsweise ein aufwendiges Herstellungsverfahren, damit aus dem Rohstoff Holz ein Stoff wird. Unter Umständen geht dieses mit dem Einsatz von giftigen Chemikalien und viel Wasser sowie hohem Energieverbrauch einher. Vor allem bei Modal-Textilien ist es daher ratsam, ganz genau zu schauen, woher das verwendete Garn stammt und wer es produziert hat. Tencel und EcoVero sind unter den Modal-Fasern die empfehlenswertesten. Bei anderen pflanzlichen Fasern liegt das Problem eher an der monokulturellen Anbauweise, die die Biodiversität gefährdet, oder an den langen Transportwegen, die daraus hergestellte Garne oder Textilien zurücklegen müssen. 

Grundsätzlich gilt auch bei pflanzlichen Fasern: Nachhaltiger sind sie, wenn sie aus biologischem Anbau stammen, und sozialverträglicher, wenn sie unter fairen Bedingungen produziert wurden. Achte daher möglichst auf entsprechende Zertifizierungen wie durch folgende Siegel: 

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Schlagwörter: Gewusst wie Material Natur